Chromglanz und Zeitenwende

Es gibt Geräusche, die ganze Generationen in Entzücken versetzten. Das Grollen eines Motors etwa, je nach Modell irgendwo zwischen Raubkatze mit Blähungen und röchelnder Kaffeemaschine. Dazu der Geruch von Benzin. Manch einer würde ihn als Parfum tragen. Das Auto, es ist für viele nicht bloß ein Gefährt, sondern ein Gefährte. Ein Mythos auf Rädern, rollende Freiheit, fahrbarer Unabhängigkeitstraum.

Manche verlieben sich ins Auto, lange bevor sie es selbst fahren dürfen. Erst sind es die Spielzeugmodelle, dann das elterliche Lenkrad, später das erste eigene Gefährt, meistens rostig, unzuverlässig, aber das Tor zur Welt. Später Statussymbol, eines der Merkmale für die Aussage: Ich bin wichtig!
Und so wurde das Automobil zur heiligen Kuh unserer westlichen Zivilisation. Wer Auto fährt, lebt. Wer mehr mit dem Auto fährt, lebt besser.

Doch während wir also weiter cruisen, als gäbe es kein Morgen, ist dieses Morgen längst da und klopft ungeduldig gegen die Windschutzscheibe. Klimakrise, Lärm, versiegelte Städte, endlose Blechlawinen im Stau, unser alter Traum vom individuellen Fahren bekommt Risse im Lack. Ist das Auto vielleicht ein Relikt aus einer Ära, in der Fortschritt müffeln musste?

Natürlich: Der Reiz bleibt irgendwie. Kein Pedelec flüstert einem „Flieh mit mir!“ ins Ohr, und keine U-Bahn liefert den Soundtrack zur Midlife-Crisis. Aber vielleicht ist gerade das das Problem: Unsere Mobilitätsfantasien sind nostalgisch, während die Realität längst auf effizient, klimaneutral und geteilt umgestellt hat.

Müssen wir das Auto also gleich abschaffen? Nein. Aber entmythologisieren. Vom Denkmal zum Werkzeug. Vom Statussymbol zur Option. Mobilität ist heute mehr als ein Lenkrad in echten Männerhänden, sie ist eine Entscheidung zwischen Jetzt und Zukunft.

Und vielleicht, nur vielleicht, beginnt wahrer Fortschritt heute dort, wo man einfach kurz stehenbleibt und überlegt, ob es auch anders ginge.