Das Dazwischen - wenn die Sehnsucht schweigt

Es gibt Zeiten im Leben, da ist alles still geworden. Nicht die Welt, die lärmt weiter, wie sie es immer tut, sondern das eigene Innere. Keine Sehnsucht zieht mich hinaus, keine drängt mich zurück. Fernweh? Erschöpft. Heimweh? Verstummt. Was bleibt, ist ein merkwürdiges Dazwischen, schwer zu benennen, noch schwerer zu erklären.

Dabei war das Unterwegssein früher ein Versprechen. Auf Weite. Auf ein anderes Ich. Auf Geschichten, die man sich selbst neu erzählt, weil sie woanders beginnen. Und das Heimkommen war wie ein Einatmen nach langem Tauchen, also das Gefühl, irgendwo hinzugehören, wenigstens für einen Moment.

Wenn beides versiegt, wirkt es, als sei etwas kaputtgegangen. Als hätte die Welt ihre Farbe verloren. Doch vielleicht ist dieses Dazwischen kein Mangel, sondern eine Übergangsform. Kein Scheitern, sondern Stille nach zu viel Lärm. Ein Ort, an dem die Seele nicht flieht, sondern innehält.

Denn vielleicht ist es gar nicht schlimm, keine Sehnsucht zu spüren – solange man sich selbst noch wahrnimmt. Solange man bereit ist zu lauschen: Was will ich eigentlich noch, jenseits von Flucht oder Rückkehr?

In dieser Schwebe liegt etwas Ehrliches. Wer sich weder treiben lässt noch flieht, steht nicht still, sondern fühlt den Moment in seiner ganzen Unentschiedenheit. Das ist nicht bequem aber lebendig. Es ist der Moment, bevor etwas Neues entsteht, nicht aus Zwang, sondern aus einem echten inneren Impuls.

Vielleicht kehrt die Sehnsucht zurück. Leise. Tastend. Und wenn sie es tut, dann nicht mehr als Reaktion auf Leere, sondern als Einladung. Bis dahin aber darf ich einfach sein. Ohne Ziel. Ohne Eile. Ohne Begründung.