Der Heimatliche

Ein Glas „Heimat“: Silvaner aus Franken

Es war kein großer Abend, keiner, den man später in Jahresrückblicken verorten müsste. Aber es war ein guter Abend. Ein ehrlicher. Und vielleicht war es genau das, was dieser Silvaner mir sagen wollte: dass Größe nicht laut sein muss.

Im Glas: ein leiser Schimmer, als wolle er sich nicht aufdrängen. In der Nase dann Apfel, dieser stille Gefährte aller Kindheiten, und Birne - Die Frucht, die immer schon ein bissla nach Gedicht schmeckte. Und dann, wie ein unerwarteter Gruß aus einem Nachbargarten: die Stachelbeere. Hell, herb, ein kleiner Widerspruch auf der Zunge. Aber ein willkommener.

Der Silvaner blieb nicht lange, wollte nicht verweilen. Er grüßte, erfrischte, ließ ein wenig Frische da, wie ein Bekannter, der nicht stört, aber auch nicht ganz vergessen werden kann. Im Abgang dann: ein Hauch von Stein, kaum spürbar, fast schon Erinnerung. Die Mineralik war mehr Andeutung als Aussage. Aber sie war da. Wie die Ahnung eines Ortes, der einem fehlt, ohne dass man je dort ganz und gar gewesen wäre.

Und so saß ich da, mit einem Glas Franken, und einem sehr leisen, wehmütigen Glück im Herzen. Kein großes Kino. Aber ein gutes Bild. Und wer sagt eigentlich, dass das nicht reicht?