Der offene Balkon

Dies ist ein Wein, der nicht trinkt, sondern erzählt. Ein Rosé, so hell, als habe man den Morgenhimmel gerade noch einmal abgefüllt, ehe die Sonne die Farben vertreibt. Er ist leicht, fast beiläufig, und doch liegt in ihm jene kleine Ernsthaftigkeit, die man braucht, um sich nicht in der Süße zu verlieren: ein trockener Ernst, der die Frucht erst zum Leuchten bringt.

Man schmeckt Erdbeeren, aber keine vom Markt, schon gar nicht gezuckert – eher die, die man im Sommer direkt vom Feld stiehlt, noch warm vom Tag. Er ist unkompliziert, ja, aber nicht banal. Ein Wein, den man auf dem Balkon trinken muss, weil er selbst schon ein Balkon ist: offen, weit, bereit, sich mit Stimmen, Lachen und Abendluft zu füllen.

Und während er so leicht daherkommt, verspricht er dennoch die schwerste Tugend des Sommers: das Glück, nichts zu müssen.