Der Sonnenaufgang

Im Glas ein leiser Sonnenaufgang, hellgelb, fast durchsichtig, wie das Versprechen eines unbeschriebenen Sommertages.
Die Nase wird von einer Komposition begrüßt, so vielschichtig und zurückhaltend wie eine Sonate von Schubert: Da ist der kühle Hauch eines frischen Apfels, das Aufblitzen von Zitrus, das warme Echo einer reifen Aprikose. Und dann, ganz beiläufig, wie das Nachwort eines klugen Gesprächs eine Ahnung von gerösteter Nuss, feinsinnig und unaufdringlich.
Am Gaumen entfaltet sich der Wein nicht laut, sondern mit Nachdruck: konzentriert, dicht, fast kontemplativ. Die Säure: ein feiner Pinselstrich, keine scharfe Linie. Und dazwischen – eine subtile Mineralität, wie Kiesel unter klarem Quellwasser. Ein Wein wie ein kluger Gedanke: Er hallt nach.